Mainfranken:
Eine Region - ein Fahrschein
Die Suche nach Lösungen für den mainfränkischen ÖPNV im Zeichen des demografischen Wandels
Grußwort von Martin Zeil
Stellvertretender Ministerpräsident des Freistaates Bayern und Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
Die Schaffung eines gemeinsamen Verkehrsverbundes Mainfranken (VVM) mit einem einheitlichen Tarif, der die Gebietskörperschaften der Planungsregion 2 und 3 umfassen soll, ist eines der wichtigsten Projekte des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Unterfranken. Sie haben den ÖPNV-Tag 2012 für die Region Mainfranken deshalb unter das Motto „Eine Region – ein Ticket“ gestellt und sind von Ihrem angestammten Tagungsort Würzburg nach Schweinfurt gewechselt. Sie bringen damit die enge verkehrliche Verflechtung der unterfränkischen Verkehrsräume bereits in der Wahl des Tagungsortes zum Ausdruck.
Eine enge Kooperation der Unternehmen bei der Leistungserstellung und die Nutzung von Synergien sind für den Erfolg des ÖPNV unerlässlich. Dies gilt gleichermaßen für die Schaffung unternehmensübergreifender Tarifsysteme sowie gebietsübergreifender Tarifangebote. Eine institutionelle Basis für diese Maßnahmen stellt die Bildung von Verkehrs- gemeinschaften dar. Das Bayerische ÖPNV-Gesetz verpflichtet die Aufgabenträger, bei der Sicherung und Verbesserung des ÖPNV im verkehrlich erforderlichen Umfang zusammen- zuarbeiten. Das Gesetz sieht Verkehrskooperationen, insbesondere Formen der tariflichen Zusammenarbeit, die Bildung von Verkehrsgemeinschaften oder Verkehrs- und Tarifverbünden vor. In diesem Sinne befinden Sie sich mit Ihrem Vorhaben, das Gebiet des Verkehrsverbundes Mainfranken auszuweiten, auf dem richtigen Weg. Für die anstehenden nächsten Schritte wünsche ich Ihnen gutes Gelingen!
Eine zentrale Herausforderung für ländliche Räume ist der demografische Wandel, der erhebliche Auswirkungen auch auf den ÖPNV mit sich bringt. Der Schülerverkehr stellt heute das Rückgrat des ÖPNV im ländlichen Raum dar. Sinkende Schülerzahlen bedeuten eine rückläufige Zahl beförderter Personen im ÖPNV. Um diesen Verlust zu kompensieren und die Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung eines auskömmlichen Grundangebotes zu sichern, ist die Ausschöpfung neuer Kundenpotentiale eine vordringliche Aufgabe für die Zukunft. Dies geht einher mit dem wachsenden Mobilitätsbedürfnis der größer werdenden Gruppe älterer Mitbürger, die an attraktiven Beförderungsangeboten jenseits des motorisierten Individualverkehrs interessiert sind. Die Erweiterung bestehender „klassischer“ Verkehrssysteme um flexible und bedarfsorientierte Bedienformen, wie beispielsweise Anruf-Sammeltaxi-Systeme und Bürgerbusse, ist daher unerlässlich. Diese Systeme sind geeignet, sowohl zeitlich als auch räumlich eine Grundversorgung herzustellen. So wird vermieden, mit großen und teuren Bussen die viel zitierte „heiße Luft“ übers Land zu bewegen. Der Freistaat Bayern fördert die Einführung flexibler Bedienformen in ländlichen Räumen in den nächsten fünf Jahren mit insgesamt 10 Mio. Euro.
Darüber hinaus hat der Freistaat die Erarbeitung eines neuen, landesspezifischen Ausgleichssystems für den Ausbildungs- verkehr in Auftrag gegeben. Durch die Einführung eines demografischen Korrektur-Faktors soll das neue Ausgleichs- system den Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung in den einzelnen Landesteilen Rechnung tragen und den Verkehrs- unternehmen auch künftig einen angemessenen Ausgleich für ihre Leistungen im Bereich der Schülerbeförderung garantieren.
Die Bayerische Staatsregierung will den demografischen Wandel konstruktiv gestalten und dessen negative Aus- wirkungen in den ländlichen Räumen möglichst begrenzen. Ich freue mich daher, dass dieses Thema im Mittelpunkt Ihres diesjährigen ÖPNV-Tages steht, und wünsche Ihnen kreative Ideen und Lösungsansätze zum Vorteil der Region Mainfranken.
Martin Zeil, MdL

Bundesverkehrsminister
Landrat
Regierungspräsident
Abteilungsdirektor

